Letzte Worte an dieser Stelle

Wahrscheinlich habt ihr es bereits in der Abendausgabe eurer Tageszeitung gelesen: Das Internet hat sich nicht durchgesetzt. Deshalb beende ich meine Webpräsenz inklusive dieses Blogs ‚demnächst‘. Das ist kein ‚demnächst‘ in Anführungszeichen. Die Anführungszeichen sind ironisch gemeint, also hätte ich sie eigentlich in Anführungszeichen setzen müssen. Ganz (oder halbwegs) konkret ziehe ich den Stecker Ende Februar. Dann laufen meine Knebelverträge mit den Internetplatzvermarktern aus. Vielleicht auch schon vorher; man muss ja nicht immer alles auf den letzten Drücker machen. Erhalten bleibe ich auf Facebook und Instagram. Und falls ihr mal was ganz Ausgefallenes tun wollt, guckt ihr bei Bluesky vorbei. Tut ansonsten wirklich niemand. Dort bleibt mein Konto ebenfalls bestehen, aber ich mache da keinen Finger krumm, solange keiner guckt. Nun könnte natürlich jemand erwidern: Solange du da keinen Finger krumm machst, guckt halt auch keiner. Darauf ich dann wieder: Ich habe da ja bereits Finger krumm gemacht, und hat trotzdem keiner geguckt. Mal gucken.

Die Beendigung meiner Web-1.5-Auftritte ist keine Entscheidung aus Gram oder Wut oder Resignation, mir ist nichts über die Leber gelaufen. Das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen ist nur nicht mehr so, dass man sagen könnte: „Also, das ist aber mal ein gutes Verhältnis!“ War es eigentlich nie. Seit es Autorenwebsites gibt, lästert die Avantgarde, dass Autorenwebsites so was von over wären. Ich bin bewusst gegen den Trend angegangen, weil ich gewohnheitsmäßig immer gegen Trends angehe, vor allem gegen Verkaufstrends. Jetzt möchte ich mal mit den Trends gehen. Ab März mache ich nur noch TikTok. Kleiner Witz, TikTok ist ja schon lange over.

Meine Website ist viel komplizierter, als sie aussieht. Irgendwie habe ich es geschafft, gleich zwei Dienstleister dauerhaft dafür zu bezahlen: einen für die Bereitstellung des Platzes und einen für die Bereitstellung der Gestaltungswerkzeuge. Das war technisch gar nicht so leicht einzurichten; ich bin schon ziemlich stolz darauf, wie geschickt ich mich selbst übers Ohr gehauen habe. Ich würde direkt von ‚Hacking‘ sprechen. Vor allem, weil ich keine klare Vorstellung davon habe, was Hacking eigentlich ist. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich es hinbekommen habe, und ich weiß erst recht nicht, wie sich das wieder auseinanderklamüsern lässt. Also einfach weg mit allem.

Nein, ich möchte keine technische Hilfe, aber ich weiß das Angebot wirklich zu schätzen, vielen Dank. Ich möchte einen sauberen Abschluss und einen euphorischen Neubeginn. Wie ich mich kenne, werde ich doch irgendwie weitermachen. Ich bin ja noch jung, mir steht die ganze Welt offen. Vielleicht nur ein reiner Blog. Vielleicht ästhetisch etwas ansprechender, thematisch geordneter, aber – keine Angst – im Herzen weiterhin genauso chaotisch. Ihr müsst euch auch keine Sorgen machen wegen all des schönen geistigen Eigentums, das sich seit knapp 17 Jahren hier angesammelt hat. Nichts davon wird die digitale Toilette hinuntergespült. Die Rohfassungen aller Beiträge habe ich lokal und wolkig gespeichert, von den Live-Versionen werde ich ‚ein Back-up erstellen‘. Keine Ahnung, wie man aus so einer Back-up-Datei jemals wieder etwas Lesbares macht, doch man soll ja besser schlafen können, wenn man ‚ein Back-up erstellt‘. Sollte ich also jemals den Drang verspüren, eine Coffeetable-Edition der schönsten Kabinettstückchen zusammenzustellen, ist alles noch da. Glaube ich.

Ein wenig vermissen werde ich die Leserpost, die recht regelmäßig über das Kontaktformular meiner Website eingetrudelt ist. Nicht so wäschekörbeweise wie bei den Jugendidolen von The Teens, jedoch genug, um sich ‚gesehen‘ zu fühlen, was den Menschen im Überwachungszeitalter ja ungemein wichtig zu sein scheint. Gefreut haben mich die meisten Zuschriften. Zumindest die von den Leserinnen und Lesern, die den Unterschied zwischen einem Schriftsteller und einem Gratisreiseauskunftsbüro kannten und respektierten. Naseweise Besserwisserei gab es erstaunlicherweise nur einmal (habe ich selbstverständlich nicht drauf reagiert; man soll die Naseweisen nicht füttern). Im Großen und Ganzen scheine ich freundliche und vernünftige Leser und Leserinnen zu haben. Mit manchen entstanden kleine postalische Dialoge. Da gab es solche und solche Überraschungen. Zu solchen gehörte sicherlich die anfangs ganz goldige ältere Dame, die sich darauf freute, nach ihrer Pensionierung endlich komplett in ihr geliebtes Japan rübermachen zu können. Bis sie fröhlich erklärte, dass sie an Japan vor allem schätzte, dass es dort nicht so viele Ausländer wie in Deutschland gäbe. Der Volksmund weiß zwar, dass es keine zweite Chance gibt, einen ersten Eindruck zu machen. Allerdings lassen sich erste Eindrücke durchaus ohne große Schwierigkeiten revidieren.

Also, herzlichen Dank bis hierhin und tschüss erst mal. Wenn was ist – erreichbar bleibe ich über die eingangs erwähnten Kanäle. Dort halte ich euch auch über Reboots, Relaunches, Reimaginierungen anderer Webpräsenzen auf dem Laufenden. „Aber Andreas, wir nutzen diese Kanäle nicht, was sollen wir bloß tun?!“ Ja, nun, für alles kann ich auch keine Lösung anbieten.