Vom Zähneputzen

Das Klischee geht so: Blogger schreiben in erster Linie darüber, wie sie sich die Zähne putzen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, dafür müsst ich erstmal so einen Blog lesen, und das wird ganz bestimmt nicht passieren. Ich fände es aber drollig, wenn das Klischee stimmen würde, deshalb gehe ich hier mit gutem Beispiel voran.

Mein Zahnarzt neulich so: „Ey, kaufen Sie sich eine elektrische Zahnbürste, Alter!“ (aus dem Gedächtnis zitiert)

Ich so: „Ja ja.“

Gedacht habe ich natürlich: Sie können mich mal kreuzweise vonberlichingen. Und: Elektrische Zahnbürste! Das ist doch nur so ein neumodischer Schnickschnack wie Fahrradhelme, Bildschirmtext und tragbare Kassettenspieler!

Was weiß so ein Zahnarzt schon über sowas? Aber kurz danach hatte meine Mutter mir auch zu einer elektrischen Zahnbürste geraten, und meiner Mutter glaube ich das natürlich.

Meine Mutter hatte mich auch hinterrücks bereits angefixt, indem sie mir immer wieder elektrische Einwegzahnbürsten zugesteckt hatte, wenn sich unsere kosmopolitischen Wege kreuzten. Diese Zahnbürsten hatten mir gefallen. Sie waren unkompliziert und liefen mit integrierten Einwegbatterien. Mit anderen Worten: Wenn sie es nicht mehr bringen, kann man sie einfach wegschmeißen, wie Sprühdosen, Ideale oder Freundschaften.

Und jetzt bin ich stolzer Besitzer einer Braun Professional Care. Beziehungsweise bin ich schon seit einigen Wochen ihr Besitzer, aber ich bin vor ein paar Tagen erst dazu gekommen, sie zu benutzen. Ich war der Auffassung, dass die erste Inbetriebnahme größte Konzentration erfordere, und das ist die Krux beim Zähneputzen: es ist eine Routinetätigkeit, die bei größter Müdigkeit ausgeführt wird. Man bringt es hinter sich, bevor man aufs Amt oder zu Bett geht. Da will man sich nicht mit neuen technischen Features auseinandersetzen. Zähneputzen ist kein sexy Extrem-Hobby, bei dem man sich fotografiert und ‘Yeah!’ schreit. Ist man erstmal Blendi-entwöhnt, denkt man nie wieder: Juhu – Zähneputzen! Man denkt nur: So … müde … uäh … auch … das … noch.

Was ich nicht wusste: Das wissen auch die Ingenieure elektrischer Zahnbürsten. Und da dachten sie sich: Wir machen es einfach mal einfach. Zu meinem großen Erstaunen braucht es nach Öffnen der Verpackung nur drei Handgriffe, und man ist wie wild am Putzen.

Wild ist das richtige Wort, denn nach 30 Sekunden ist alles voller Blut. Ich hätte gerne ein Foto davon gemacht, aber ich habe alle Hände voll zu tun. Man unterschätzt häufig, wie viel Blut in so einem menschlichen Körper ist. Stellt sich aber heraus, dass man die Brutalität der Zahnbürste regulieren kann. Ich stelle auf Baby, und dann geht’s.

Hinterher: Ein erstaunliches Gefühl. Ich entdecke erstmals, dass Zähne Zwischenräume haben. Ich hatte das immer für eine Lüge der Reklameindustrie gehalten. Diese Entdeckung kann man zwar auch mit Zahnseide machen, so hat man mir gesagt, aber das habe ich einmal probiert und gleich wieder aufgegeben. Zahnseide ist was für Leute, die sonst keine Hobbys haben. Ich habe wirklich auch noch andere Sachen zu tun.

Nutzwertiger Fazit-Block für Menschen, die nicht gut lesen können nutzwertorientiert denken

Pro elektrische Zahnbürste

• Geht schnell
• Macht Sauber

Kontra elektrische Zahnbürste

• Man kann kaum was nebenher machen
• Ist laut

Spaßfaktor: Mittel
Bedienung: 3 Grad
Gesamtwertung: Forelle blau

Ich kannte Zähneputzen bisher nur so, dass man währenddessen noch telefoniert, Halo spielt und Sushi rollt. Das geht mit einer elektrischen Zahnbürste nicht, sie erfordert die gesamte motorische Aufmerksamkeit. Apropos Motor: Es wird schon alles ein bisschen viel, was man so an Technik an seinen Körper lässt. An einem Morgen mit Vollprogramm wären das in meinem Falle der Rasierer, der Haarschneider und die Zahnbürste. Ganz schön viel Gesummse im und um den Kopf herum. Da komme ich mir vor wie Tetsuo, der Maschinenmensch.

Nach genauerem Studium der Gebrauchsanweisung meiner Zahnbürste stelle ich etwas Erschreckendes fest: Die beiden verschiedenen Bürstköpfe sind für verschiedene Anlässe: einer macht weiß, einer macht sauber.

Man muss sich also entscheiden, ob man gut aussehende oder gesunde Zähne haben möchte? Das ist ja genau wie bei der Figur! Naiv hatte ich angenommen, ich könnte beides haben. Schließlich ist so eine E-Zahnbürste zigmal teurer als eine akustische. Aber wenn ich nicht weiß und gründlich gleichzeitig haben kann, dann ist dieses ganze Zähneputzding vielleicht doch nichts für mich. Dann lass ich es lieber gleich.

Mission Statement: Nicht lesen

Es gibt bestimmt Blogs, die ihre Berechtigung haben. Solche, die Untergrundaktivistinnen in Schurkenstaaten Stimmen geben, die gehört werden müssen, zum Beispiel. Der vorliegende Blog allerdings, wie 100% aller deutschsprachigen Blogs, hat keinerlei Berechtigung. Ich würde nie auf die Idee kommen, einen Blog zu lesen, denn nur Blogger lesen Blogs, und ich bin ja kein Blogger. Bei Vereinsmeierei halte ich es mit Marx (Groucho). Ich hoffe, Sie nehmen sich ein Beispiel an mir. Bitte lesen Sie keine Blogs, lesen Sie lieber etwas Richtiges. Bitte schreiben Sie keine Blogs, schreiben Sie lieber etwas Richtiges. Oder sehen Sie ein, dass Sie nichts zu sagen haben.

Ich schreibe diesen Blog, weil ich nichts zu sagen habe, und das will ich gerne tun. Wer dies liest, kann hinterher nicht sagen, er habe von nichts gewusst.

Bitten lesen Sie auch morgen an dieser Stelle nicht, wie ich über das Zähneputzen schreibe.